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Die Gitarre im Zigeuner-Jazz
Musikgeschichtlicher Überblick & Gitarrenspezifische Analyse
Diplomarbeit eingereicht und verteidigt an der Hochschule für Musik ‘Carl Maria von Weber’ Dresden

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inhaltsverzeichnis
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inhalt

vorwort
erster teil
fu▀noten I
zweiter teil
gitarrensound
rhythmusgruppe
improvisation
fu▀noten II
zusammenfassung
literatur

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2. Erster Teil: Musikgeschichtlicher Überblick

Hier soll nun die Musikgeschichte des Zigeunerjazz anhand der wichtigsten Vertreter dieser Stilistik von der Entstehung bis heute dargestellt werden. Es sollen sowohl die Entwicklung, als auch die stildefinierenden Aspekte aufgezeigt werden. Da es nicht möglich ist, auf alle Veröffentlichungen dieser Stilistik einzugehen, soll hier auf eine Auswahl-Diskographie der wichtigsten im Text erwähnten Musiker hingewiesen werden (siehe 2.5. Auswahl-Diskographie). Es ist dem Autor nicht möglich, die kompletten familiären Zusammenhänge unter den einzelnen Musikern zu erarbeiten und aufzuzeichnen, da dies zu einer sehr komplexen soziologischen Studie führen würde, die jedoch nicht der Themenvorgabe dieser Arbeit entspricht.
Im folgenden Textteil werden, wenn nicht im Text definiert, folgende Abkürzungen verwendet:
solo-g = Solo-Gitarre p = Klavier
rh-g = Rhythmusgitarre dr = Schlagzeug
b = Baß/Kontrabaß v = Geige
acc = Akkordeon perc = Percussion
mh = Mundharmonika

2.1. Das Musikleben im Paris der 20er und 30er Jahre

Dieser Teil soll das Musikgeschehen in Paris grob skizzieren bzw. vorstellen, um einen Einblick in die musikalischen Einflüsse zu bekommen, die die Basis für die Entstehung des Quintette du Hot Club De France (im Folgenden: QdHCDF) bildeten. Es bestehen in dieser Zeit sehr viele musikalische Strömungen, die in Paris, als Kulturstadt der 20er und 30er Jahre, zusammentrafen, aber hier nur kurz vorgestellt werden. „Einen Beweis des äußerst regen musikalischen Lebens in der Hauptstadt“ (Paris) „liefern die Statistiken, nach denen im Spieljahr 1929-1930 über fünfzehnhundert musikalische Veranstaltungen“ (E-Musik) „in Paris dargeboten wurden (die Theatervorstellungen nicht inbegriffen), darunter über fünfhundert Orchesterkonzerte. Diesem ungeheuren Verbrauch an Musik wäre die Verbreitung des Grammophons und des Rundfunks hinzuzufügen, deren Hörerzahl nicht genau zu ermitteln ist.“ (1) Zusätzlich muß natürlich auch die Musik der Zigeuner dieser Zeit berücksichtigt werden, da sie einen großen Einfluß auf den Manouche (2) und Begründer des QdHCDF Django Reinhardt hatte.

2.1.1. Die Musik der Zigeuner

„Die Musik der Sinti, Manouches, Gitans und Roma Mittel- und Westeuropas“ zu Beginn des 20.Jahrhunderts setzte sich „aus ihrer Zigeunerfolklore“, bestehend aus „Liedern in Romani bzw. Romanes ihrer eigenen Sprache und (vorwiegend) instrumentaler Tanzmusik osteuropäischer Herkunft“, zusammen. „Bei den Liedern der Sinti handelt es sich um Spott, Trink- und Liebeslieder, Kinderreime, vereinzelt auch Todesklagen. Die Zigeunermusik osteuropäischer Herkunft besteht aus Liedern und der instrumentalen Fest- und Tanzmusik der auf dem Balkan, der Ukraine und in Rußland lebenden Roma.“ Ihre Hauptform ist der Csárdás. Daneben ist das Repertoire aus verschiedenen Quellen entlehnt: aus der Romantik, erfolgreiche Schlager- und Operettenmelodien (z.B. Strauß oder Léhar) und aus volkstümlicher Tanzmusik des 19.Jahrhunderts (Walzer, Polkas). „Neben dem Aspekt, daß diese adaptierten Kompositionen wegen ihrer melodisch-sentimentalen Qualitäten einem musikästhetischen Ideal“ der eigenen „Musiktradition entsprachen und damit auch die Zigeunermusiker eine besondere Anziehungskraft ausübten, trafen sie beim ‘Ständeln’, dem Spielen in den Gasthäusern für die dort verweilenden Gadsche (Romanes-Bezeichnung für Nichtzigeuner (auch gadje)) aufgrund ihrer Popularität und des Wiedererkennungseffektes besonders sicher den Nerv der Zuhörer und deren Zahlungsbereitschaft, denn das ‘Ständeln’, war die eigentliche Erwerbstätigkeit der Zigeunermusiker, ihre Haupteinnahmequelle. Die französischen Manouches taten dergleichen auch mit der Adaption erfolgreicher Musette- und Chansontitel, ...“ (3) Ähnliches gilt auch für die aus Spanien und Südfrankreich nach Paris kommenden Gitanos, die aber durch einen größeren Bezug zum Flamenco, als ihre musikalische Wurzel, bestimmt waren, aber auch die Einflüsse der Musik ihrer neuen Heimat aufnahmen. Der Vortrag der Stücke der Zigeunermusiker war stets charakterisiert durch eine sehr gefühlsbetonte Interpretation mit einer Neigung zu virtuoser Verzierung oder dem Wechsel zwischen Rubato-Vortrag, sowie lang ausgehaltenen Tönen und schnellen schwungvollen Passagen. Zusätzlich waren die Zigeunermusiker wegen ihres exzellenten Plektrumgitarrenspieles als Begleitgruppen, aber auch in solistischer Funktion, aufgrund der schon erwähnten Interpretationskunst (stark verzierte, sowie variierte, Themenvorträge können schon als Vorstufe improvisatorischer Strukturen gedeutet werden), in der Pariser Chanson- und Musetteszene gefragt.

2.1.2. Les Bals Musettes

Die popularmusikalische Hauptströmung im Paris der 20er Jahre bildeten die Bals Musettes, die man als Musik der Straße und der Tanzsäle deuten kann. Die Basis dieser Musik bildeten die berühmten Valse-Musette (Musette-Walzer), die im Repertoire durch Tangos, Paso-Dobles, Polkas, Foxtrotts, Javas, Charlestons und später auch durch Swingadaptionen ergänzt wurden. Das Akkordeon gilt als das Hauptinstrument dieser Musik, das mit Begleitgruppen ergänzt wurde, in denen die Gitarre eine große Rolle spielte. Zu den berühmtesten Gitarristen dieser Zeit gehörten neben Auguste Malha, genannt Gousti, die Brüder Ferret: Étienne Ferret (1912-1970), genannt ‘Sarane’, Jean Ferret (1918-1989), genannt ‘Matelot’ und Pierre Ferret (1908-1976), genannt ‘Baro’. Zu Beginn der 30er Jahre erspielten sie sich, zunächst als virtuose Banjo- oder Bandurria-, später als Gitarren-Spieler, einen Namen in der Pariser Musikszene und wurden so bald als Begleitmusiker zu Schallplattenaufnahmen mit verschiedenen Akkordeonisten herangezogen. Die berühmtesten der Brüder waren Sarane Ferret, der sich später auf die Musik des QdHCDF spezialisierte, und Matelot Ferret, der hauptsächlich die Tradition der Bals musettes vertrat. Matelot Ferret tritt auf vielen Schallplattenaufnahmen namhafter Akkordeonisten wie Gus Viseur, Tony Mureno oder Jo Privat in Erscheinung. Zusätzlich arbeitete er als Begleiter renommierter Chanson- und Schlagerinterpreten wie Jean Tranchant, Charles Trenet und Edith Piaf. Auch Django Reinhardt begann seine Karriere in den Bals musette als Begleit-Banjoist des Akkordeonisten Guérino (damals unter dem Namen ‘Jiango Renard’). Später wechselte er in verschiedene Bals-Musette-Formationen und machte zwischen Juli und Oktober 1924 seine ersten Plattenaufnahmen mit dem Akkordeonisten Jean Vaissade.
2.1.3. Strömungen der Ernsten Musik

Nach dem ersten Weltkrieg entstand eine Blüte im musikalischen Leben in Paris. Neben der Oper als musikalisches Zentrum wuchs die Zahl der ständigen Orchester von drei bis zu zeitweise acht an. Zusätzlich entstanden viele Kammermusikvereine und Gesellschaften, die sich die Pflege der Werke großer Meister, wie Mozart und Bach, zur Aufgabe machten. Die Pflege der Musik war nicht nur auf die französische Musik beschränkt, die in dieser Zeit noch durch den Impressionismus Claude Debussys geprägt war, sondern wurde auch durch Strömungen aus aller Welt ergänzt (das Repertoire der Pariser Oper beinhaltete z.B. auch Werke Richard Wagners oder Giacomo Puccinis). Eine der wichtigsten ist die russische. Nach der Revolution am Zarenhofe hatte es viele Künstler und Instrumentalisten nach Paris verschlagen. Im Mittelpunkt dieser Strömung standen russische Cabarets und Balette, die die Werke der russischen Komponisten wie Igor Strawinskij, Sergej Prokofiew oder Dimitri Schostakowitsch dem Publikum darboten. Auch Strömungen der Neuen Musik aus Deutschland waren erkennbar. Werke von Arnold Schönberg, Alban Berg, Paul Hindemith und Kurt Weill kamen zur Aufführung und wurden über den Rundfunk verbreitet. Die Stellung des Rundfunks wurde mit der Zeit sehr wichtig und machte die Musik verschiedenster Komponisten einer breiten Masse bekannt. Auch mit anderen europäischen Ländern herrschte großer musikalischer Austausch, z.B. wurden die bedeutesten Werke des Spaniers Manuel de Falla in Paris uraufgeführt; der Komponist schweizer Abstammung Arthur Honneger studierte in Paris. Mit dem Konservatorium, als musikalischem Ausbildungsort, zog Paris ebenso Musiker aus aller Welt an. Auch Amerika unterhielt Beziehungen zu Paris. Den Hauptvertreter Südamerikas stellte Heitor Villa-Lobos dar. Aus Nordamerika waren Aron Copland und natürlich George Gershwin die bekanntesten. Für die Entwicklung der französischen Musik steht die sogenannte ‘Gruppe der Sechs’ um Erik Satie. Diese Musiker hatten gleiche Interessen: „der Impressionismus war ihnen fremd, ebenso wie die Romantik. Sie suchten den Realismus, wollten aber zugleich zum Klassizismus zurückgreifen. Einfach und scharf wollten sie sein, kühn und heiter, Sänger des modernen Lebens und musikalische Draufgänger.“ (4) Neu für die ernste Musik war der seit dem ersten Weltkrieg beginnende und immer größer werdende Einfluß des aus Nordamerika stammenden Jazz, als eine popularmusikalische Strömung.

2.1.4. Jazz als neuer musikalischer Einfluß

Nachdem die amerikanische Schallplattenindustrie 1932 ihren ersten großen Tiefstand erreichte (bis 1933 mußten die meisten Firmen bis auf die Victor, die Decca und die Columbia schließen), wurde mit Europa ein neuer Markt entdeckt. Wichtige Jazzplatten wurden alsbald direkt für den europäischen, insbesondere den englischen Plattenmarkt produziert. Auch aufgrund der Rassenprobleme zog es viele amerikanische Jazzmusiker in das nicht so rassenfeindlich eingestellte Europa, wo sie von einem beifallsfreudigen Publikum empfangen wurden. „Für die europäischen Intellektuellen hatte der Jazz den Zauber einer exotischen, primitiven und darum erfrischend ursprünglichen Kunst.“ (5) Auch Duke Ellington gastierte 1933 in Europa, wie auch im Jahr zuvor Louis Armstrong. Andere Künstler, wie Coleman Hawkins, folgten ebenso diesem Beispiel. „Das große europäische Publikum hatte die Jazzgruppen und allgemein die amerikanischen Negerorchester stets gefeiert, angefangen mit den Hell Fighters, der von Jim Europe dirigierten Militärkapelle, die 1918 in verschiedenen französischen Städten Konzerte gab und Begeisterung und Erregung hervorrief, bis zu den Orchestern von Will Marion Cook, Noble Sissle und Sam Wooding, abgesehen von gewissen weißen Gruppen wie der Original Dixieland Jazz Band und den Mound City Blue Blowers. Begeistert hatte das Puplikum dann den Negerrevuen aus Amerika Beifall gespendet, wie der ‘Revue Nègre’ mit Josephine Baker, dem Claude Hopkins-Orchester und Sidney Bechet, die im Jahre 1925 im Théâtre des Champs Élysée debütierte, ...“ (6) Mit dem Jazz, der sich auch über Schallplatten und den Rundfunk in Europa verbreitete, erschien auch die Musik des Gitarristen Enter Salvatore Massaro, genannt Eddie Lang (1892-1933), der ab 1926 im Duo mit dem Violinisten und Schulfreund Joe Venuti viele Aufnahmen machte und als erster die Gitarre als solistisches Instrument im Jazz etablierte. In diesen Duetten spielten sie Anfangs Mazurkas (3/4-Takt) und Polkas (2/4-Takt), die sie dann aus Spaß als 4/4-Takt-Stücke vortrugen. Es zeigten sich dabei schon die ersten Improvisationen: Joe Venuti begann mit einer Improvisationslinie und Eddie Lang spielte Variationen darüber. In seiner Karriere spielte Lang mit unzähligen Orchestern wie z.B. dem von Bix Beiderbecke, Paul Whiteman mit Bing Crosby, sowie auch auf unzähligen Studiosessions für verschiedene Sänger (z.B. Al Jolson) und für Bluessänger (z.B. Bessie Smith). Interessant sind die Aufnahmen in verschiedenen Gitarren-Duo-Konstellationen, wie mit Carl Kress und Dick McDonough, der in der damaligen Zeit mehr als jeder andere für die Entwicklung von Gitarren-Duo-Formationen tat. Bei dem wohl ersten Gitarrenduo im Jazz war Eddie Lang ebenso beteiligt. Er machte unter dem Namen ‘Blind Willie Dunn’ mit Lonnie Johnson 1929 für das Okeh-Label verschiedene Aufnahmen. Im Allgemeinen war Eddie Langs Gitarren-Stil bestimmt durch: „die kräftige attack und fließende, bluesartige Linien mit fesselndem Gebrauch von smears, Glissandi und harfenähnlichen künstlichen Flageoletts; ungewöhnliche Intervalle, insbesondere die pianistische Dezime und Bix-hafte parallele Nonen; Sequenzen übermäßiger Akkorde und Ganztonpassagen; die entspannte, hornähnliche Phrasierung. Obschon in erster Linie Plektrumspieler, barg Lang doch immer wieder sein Plektron in der Handfläche und führte Fingerstyle vor, speziell dann, wenn er Arpeggios und fills hinter einer/m Vokalistin/en spielte.“ (7)

2.2. Django Reinhardt und das QdHCDF

Im folgenden soll nun auf den Lebenslauf Django Reinhardts eingegangen werden. Im zweiten Teil dieser Arbeit folgt noch eine ausführliche Analyse seiner Personalstilistik. Eine genaue Betrachtung des Lebens und Werkes Django Reinhardts würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Es soll jedoch an dieser Stelle auf die zwei wichtigsten Django-Reinhardt-Biographien hingewiesen werden, die einen sehr tiefen Einblick in seine Persönlichkeit und seine Arbeit geben: Alexander Schmitz/Peter Mayer „Django Reinhardt“ und Charles Delauney „Django Mon Frère“.
Der am 23. Januar 1910 in Liverchies geborene Zigeuner Jean-Baptiste ‘Django’ Reinhardt verbrachte seine früheste Kindheit auf Wanderschaft. Mit seiner Mutter Laurence, genannt ‘Négros’, und seinem Bruder Joseph, genannt ‘Nin-Nin’ zog er durch Frankreich, Italien und Algerien, bis sich seine Familie 1918 im Wohnwagen am Stadtrand von Paris niederließ. Mit zwölf Jahren bekam er ein Gitarren-Banjo von einem Nachbarn geschenkt und begann sehr schnell, seine Fähigkeiten auf dem Instrument zu entfalten. Er spielte nun oft mit dem buckligen Gitarrenspieler Lagadière bis in den frühen Morgen in den Cafés. Ein Jahr später trat er gemeinsam mit dem Akkordeonisten Guérino in den Tanzsälen von Paris auf. Zwischen Juli und Oktober 1924 kam es zu den ersten Plattenaufnahmen unter dem Namen ‘Jiango Renard’ zusammen mit Jean Vissade (Akkordeon) für das Ideal-Etikett. Neben seiner Tätigkeit als Musiker nahm Django Reinhardt regelmäßig an ‘after-hours-sessions’ (8) teil und spielte mit Vorliebe amerikanische Titel. Mit der Zeit wechselte er zur Gitarre, bis es am 2. November 1928 zu einem folgenschweren Unfall kommt: Er überlebt einen Brand in seinem Wohnwagen, erleidet jedoch schwerste Verbrennungen am ganzen Körper und insbesondere an der linken Hand. Nach achtzehn Monaten ist er wieder hinreichend genesen, jedoch bleibt eine Behinderung seiner Hand zurück: Die Sehnen seines kleinen und seines Ringfingers bleiben verkürzt und fast völlig gelähmt. Trotz dieser Behinderung entwickelte Django Reinhardt eine Gitarrentechnik, die es ihm ermöglichte, nahezu ohne die verletzten Finger auszukommen. Zu dieser Zeit, 1929, wurde sein erster Sohn Henri Baumgartner geboren. Zu Beginn der 30er Jahre lebt Django Reinhardt als Straßenmusiker, da er kein Interesse mehr an den bals musette hat, sondern sich eher am Jazz orientiert. Aus diesem Grund wird er auch von dem ebenso jazzbegeisterten Pianist Stephen Mougin engagiert. Viel auf Reisen durch Südfrankreich tritt 1931 in Toulon Émile Savitry in sein Leben, der ihn mit der Musik Duke Ellingtons, Louis Armstrongs und Eddie Langs/Joe Venutis bekannt macht und sein Förderer wird. Neben der Beeinflussung durch Savitry beginnt Django Reinhardt seine ersten Schritte als Jazzmusiker mit dem Kontrabassisten Louis Vola, der schon in Toulon und Cannes sein Orchesterchef war, und mit dessen Formation er im Dezember 1932 in Paris debütiert. In den folgenden Jahren spielt er viel mit Musikern der Pariser Musikszene (z.B. Jean Sablon, André Ekyan, oder Stéphane Grapelli) und findet viele Bewunderer. Savitry organisiert für seinen Schützling 1934 ein Konzert in dem Ende 1922 gegründeten Hot Club de France, das Django zu seinem Durchbruch verhilft: „Man kann sagen, daß er die große Entdeckung des Konzerts war. Er ist ein sehr merkwürdiger Musiker, dessen Stil dem keines anderen bekannten Musikers ähnelt ... Wir haben jetzt in Paris einen großen Improvisator ... Darüber hinaus ist Reinhardt ein faszinierender Junge, der die gleiche Phantasie in sein Leben zu legen scheint, die seine Soli belebt ...“ (9) Bei einem Zusammentreffen mit Stéphane Grapelli entstand die Idee eines reinen Saitenquintetts, das alsbald im Dezember 1934 in der Besetzung Django Reinhardt (Solo-Gitarre), Stéphane Grapelli (Violine), Roger Chaput (Rhythmusgitarre), Joseph Reinhardt (Rhythmusgitarre) und Louis Vola (Kontrabaß) als Quintett du Hot Club de France in der École Normale de Musique in Paris debütierte. Die ersten Jahre des Quintetts verliefen sehr aufregend. Neben den ab 1935 beginnenden regelmäßigen Aufnahmen wurde Django Reinhardt von einem immer größer werdenden begeisterten Publikum entdeckt. Zusätzlich bot sich ihm die Möglichkeit, viele amerikanische Jazzgrößen kennenzulernen. So spielte er in Jam-Sessions in Paris mit Louis Armstrong, Eddie South, sowie Coleman Hawkins und Benny Carter, mit denen er auch 1937 zu Plattenaufnahmen machte. 1939 kam es sogar zu einer kurzen Begegnung mit Duke Ellington. Ab 1936 begannen Auslandstourneen des QdHCDF, die sie nach Spanien, Holland, Belgien, Skandinavien und vor allem England führten. Aufgrund des Kriegsausbruches 1939 kam es zur Trennung, da Stéphane Grapelli in England bis 1947 zurückblieb, während die restlichen Musiker nach Paris zurück kehrten.
In den Kriegsjahren fand Django Reinhardt in dem Klarinettisten Hubert Roasting einen neuen musikalischen Weggefährten und feierte mit dem neuen QdHCDF auf Tourneen durch die französische Provinz große Erfolge. Zusätzlich war er unter den in Paris zur Verfügung stehenden Musikern die Nummer Eins. Andere wichtige Ereignisse dieser Jahre waren „die Komposition einer anspruchsvollen Sinfonie mit dem Titel ‘Manoir de mes Rêves’, zu der Jean Cocteau, ein glühender Bewunderer Djangos, einen poetischen Text geschrieben hatte. Doch wurde dieses Werk, das Django und seine Mitarbeiter einige schlaflose Nächte gekostet hatte, nie aufgeführt, weil es als schwer zu spielen und harmonisch zu kühn angesehen wurde, und ging schließlich verloren.“ (10) Daneben stand auch die Hochzeit mit seiner Gefährtin Naguine und wenig später folgte 1944 die Geburt seines zweiten Sohnes Babik. Ein weiteres Ereignis bildete die Eröffnung des Nachtlokals ‘La Roulotte’ auf der Rue Pigalle, das später in ‘Chez Django Reinhardt’ umgetauft wurde und dessen Besitzer er war. Nach der Befreiung von Paris am 24./25. August 1944 tritt Django mit Fred Astaire auf und spielt mit verschiedenen Solisten des Glenn Miller Orchesters (Glenn Miller war zu dieser Zeit schon verstorben). „In diese Monate fiel auch die Aufführung einer Messe von Django in der Kapelle der Institution des Jeunes Aveugles. Er hatte begonnen, sie für seine Zigeuner zu komponieren, damit sie damit ihre traditionellen Wallfahrten nach Les Saintes-Mairies-de-la-Mer feiern konnten, doch wurde diese Messe nie zu Ende komponiert.“ (11)
Im November 1946 bekam Django Reinhardt ein Engagement bei dem Duke Ellington Orchester für eine USA-Tournee, die zu einer herben Enttäuschung für den Gitarristen wurde, da er zum ersten Mal eine elektrische Gitarre benutzen mußte und nicht auf dem Instrument zurecht kam. Das Ergebnis war, daß er bei den Kritikern durchfiel. Doch in Amerika hörte er auch die neue Strömung des ‘BeBop’. Trotz der negativen Erlebnisse in den USA spielt Reinhardt, zurückgekehrt nach Frankreich, seine Maccaferri-Gitarre nunmehr elektrisch verstärkt. In den folgenden Jahren zieht er sich immer mehr von der Musik zurück und verlegt sich auf die Malerei. Trotzdem finden immer wieder Tourneen durch Europa statt, und es folgen auch verschiedene Aufnahmen mit dem Quintett und auch mit Stéphane Grapelli. Django Reinhardt versucht sich nunmehr, nachdem er sich seit 1947 mehr und mehr aus der Jazz-Szene zurückgezogen hatte, mit der neuen Stilistik des Bebop zu beschäftigen. So kommt es im Februar 1951 zu einem Auftritt im Pariser Club Saint-Germain mit der neuen Generation französischer bebopinspirierter Musiker wie den Brüdern Hubert und Raymond Fol, Maurice Vander, Pierre Michelot, Bernard Hulin und Roger Guérin. Fünf Monate blieb Django Reinhardt in diesem Club und nahm auch verschiedene Titel auf. Durch die Gebrüder Fol lernte er auch die Musik Charlie Parkers und Dizzy Gillespies kennen. Über die letzten Aufnahmen Django Reinhardts im März 1953 für Blue Star führt Pierre Michelot aus: „Ich war total überrascht, daß er seine alten Themen spielte, wie zum Beispiel ‘Nuages’. Sicherlich hatten ihn die Produzenten dazu gebracht. Jedoch spielte er diese Themen völlig anders als in den früheren Versionen. Für mich war das die beste Version von ‘Nuages’ die er jemals aufgenommen hat. Er zitierte fortwährend Parker und Dizzy. Und in bestimmten schnellen Tempi spielte er mit ‘abgerissenen’ Phrasen in einer Art und Weise, wie es genau der Bebop-Praxis entsprach. Übrigens gibt es das auch schon in seinen Einspielungen von 1951. Aber diese Platte für Blue Star ... Wäre er nicht kurze Zeit später gestorben, diese Platte hätte den Wendepunkt seines Lebens markiert.“ (12) „Wieder daheim, in Samois, am 15.Mai“ 1953, „angelt Django erst, sitzt dann mit Freunden in einem Café und unterhält sich angeregt, als ihn eine Gehirnblutung niederstreckt. Alle Hilfe im Krankenhaus kommt zu spät. Er stirbt tags darauf, am 16.Mai, im Alter von nur 43 Jahren.“ (13)
Er hinterläßt eine fast unüberschaubare Menge von Einspielungen (ca. 600) und eine unglaubliche Anzahl an Eigenkompositionen. Hier sollen nun auch seine Verdienste um die Entwicklung des Jazz-Gitarrenspiels angeführt werden, die von Jürgen Schwab in seinem Aufsatz ‘Die Jazzgitarre und ihre spezifischen Ausdrucksmittel bei Django Reinhardt’ zusammenfassend dargestellt wurden:
- „Er leitet das erste Jazzensemble, in dem die Gitarre als durchgehend gleichberechtigtes und meist sogar dominierendes Melodieinstrument eingesetzt wird.
- Durch weit ausgreifende Dynamik und lebendige Artikulation erreicht er eine Differenziertheit des Ausdrucks auf der akustischen Gitarre, die sich mit Bläsern messen kann.
- Sein Improvisationsvermögen und seine Virtuosität stellen alles in den Schatten, was man Jazzgitarristen bis dahin zutrauen konnte, und werden bis heute nur von wenigen erreicht.
- Harmonisch ist er nicht nur auf der Höhe seiner Zeit, sondern ihr in Teilen sogar voraus. Gewisse Arpeggien und chromatische Durchgänge spielen später bei Charlie Christian eine große Rolle, und die von ihm häufig verwendeten ‘approach-note’ Figuren tauchen im Bebop wieder auf.
- Die Bildung langer Phrasen, vorzugsweise aus Achtelketten, ist ein weiteres zukunftsweisendes Merkmal von Django Reinhardts Stil und findet sich ebenso bei Christian und im Bebop wieder.
- Zahlreiche spieltechnische Neuerungen gehen durch ihn in das Vokabular der Jazzgitarre ein: Oktavdoppelgriffe, ‘false-fingering’-Effekt mit Unisono auf benachbarten Saiten, Akkord- und Einzeltremoli, ‘sweep-picking’ für schnellste Arpeggien, künstliche Flageoletts, Nutzen der Leersaite als Pedal abwechselnd mit gegriffenen Tönen. (14)
- Mit Vorliebe kombiniert er ‘off-beat’-Akzente und komplexe Akzentüberlagerungen mit Oktav- oder Sextdoppelgriffen oder dem Spiel auf einer Saite. Diese Elemente finden sich später u.a. bei Country- und Rockgitarristen.“ (15)
Die weitere Entwicklung dieser Musik nach dem Tod Django Reinhardts ist interessanterweise vornehmlich unter den Zigeunern Westeuropas zu finden. Bis auf einige Ausnahmen, wie z.B. in England Ivor Mairants, Diz Disley und Ike Isaacs, ist die Musik zu einer zigeunereigenen ‘Folklore’ (gemeint ist eine neue traditionelle Zigeunermusik) geworden. Michel-Claude Jalard schreibt darüber in seinem Aufsatz ‘Django et l’école tsigane du Jazz’: „L’univers musical de Django est pour eux“ (gemeint sind die Zigeuner) „un langage commun parce qu’en plus de son art, et à travers lui, ils retrouvent tout un lyrisme instrumental qui renvoie à leur sensibilité propre. Ce ‘supplément ethnique’, si l’on peut dire, fait que Django est non seulement le maître d’une conception de la guitare - au même titre que Charlie Christian en somme - mais vraiment le chef d’une école tsigane de jazz.“ (16) Django Reinhardt gilt aufgrund seiner ethnischen Zugehörigkeit für die Zigeuner den Begründer einer neuen Schule, nämlich der des Zigeuner-Jazz. So ist es auch nicht verwunderlich, daß die weitere Entwicklung, bzw. auch die traditionelle Bewahrung seines Personal-Stils hauptsächlich von Zigeunermusikern betrieben wird.


2.3. Die Entwicklung des Zigeuner-Jazz nach Django Reinhardt und dem QdHCDF

Durch den zweiten Weltkrieg bedingt, stagnierte die Entwicklung der Zigeunermusiker. In Frankreich konnte sich die Musiktradition der Zigeuner trotz der Besetzung durch das Naziregime (1940-45) eingeschränkt weiterentwickeln. „Django Reinhardt selbst 'genoß' - anders als andere weniger bekannte Zigeunermusiker - während der Okkupationszeit den Schutz seiner Berühmtheit und konnte seine Auftritte und Aufnahmen in Paris mit dem QdHCDF oder in Formationen mit anderen Jazzmusikern fortsetzen. ... Doch nach und nach spürte auch er den Druck der mit den Nazis kooperierenden Vichy-Regierung und verließ vorübergehend Paris. Nach einem gescheiterten Grenzübertritt in die Schweiz kehrte er dann jedoch wieder zurück nach Paris, wo er sogar einen eigenen Club ('La Roulotte') eröffnete (vgl. Alain Antonietto, Beiheft zur Djangologie)." (17) Die Virtuosen unter den Zigeunermusikern arbeiteten in namhaften Orchestern, und bildeten zusätzlich am QdHCDF orientierte Ensembles, unter denen das 'Swing Quintette De Paris' von Etienne 'Sarane' Ferret, gegründet 1941, wohl das bekannteste war.
In Deutschland und Österreich dagegen blieb der Kontakt zur übrigen Bevölkerung aufgrund der Verfolgung durch das Naziregime lange Zeit gestört. Die Zigeuner blieben unter sich. Auch die Musik wurde nur im engsten Kreise oder hauptsächlich zu gesellschaftlichen Ereignissen, wie große Treffen der Familien, Feste oder Hochzeiten, gespielt. Bis Mitte der 60er Jahre erscheinen hier auch keine Plattenaufnahmen von Zigeunermusikern. Erst 1967 beginnt ein Come-back der Zigeunermusik in Deutschland basierend auf dem Zusammenarbeiten des Zigeunergeigers Hans 'Schnuckenack' Reinhardt und dem Nichtzigeuner und Musikeragenten Sigfried Maeker. "’Am 4. Mai 1967 erlebte der ehrwürdige Kölner Gürzenich das Konzert einer 16-köpfigen Truppe von Sinti-Musikern um den Geiger Schnuckenack Reinhardt. Erstmals - über 20 Jahre nach Kriegsende - traten damit deutsche Sinti mit ihrer Musik an die erstaunte Öffentlichkeit, die bis dahin die Existenz einer eigenständigen musikalischen Kultur dieser Minderheit nicht zur Kenntnis genommen hatte. - Zunächst zögernd, dann aber doch selbstbewußt, hatten sie ihrem Konzertprogramm den Namen Musik deutscher Zigeuner gegeben. Denn es war beschlossene Sache, nur die Musik auf die Bühne zu bringen, wie sie bei den familiären Festen der gatschkenne Sinti (= deutschen Sinti) gespielt wird. Dies war der Beginn einer Entwicklung hin zu einem wiedererwachenden Bewußtsein eigener kultureller Identität, das, als Folge der schrecklichen Ereignisse während der NS-Gewaltherrschaft, fast erstickt worden war. - Zehn Jahre später - Ende der Siebzigerjahre - sollte diese Entwicklung in der Bürgerrechtsbewegung der Sinti und Roma ihre konsequente Fortsetzung finden, diesmal auf politischer Ebene, alle Lebensbereiche erfassend' beschreibt Maeker jenes 'Coming Out' Schnuckenack Reinhardts und der Musik der deutschen Sinti." (18) Im Rahmen der von Maeker benannten Bürgerechtsbewegung wurde auch versucht, über die Jahre eine Annäherung der Bevölkerungsgruppen, über des Mediums Musik, zu erzielen. "In zahlreichen deutschen Städten wurden Zigeunermusik-Festivals, begleitet von entsprechender Öffentlichkeitsarbeit, veranstaltet ('Offene Begegnungen zwischen Zigeunern und der Bevölkerung', z.B. Darmstadt 1978, Hamburg, Freiburg, Singen 1981, Berlin, Offenburg 1982). Musikalisch gesehen waren diese Veranstaltungen große Erfolge, denn auf ihnen präsentierte sich alles, was Rang und Namen hatte auf der damaligen Sinti- und Roma-Musik-Szene. Einergehend mit dieser Präsenz erreichte die Musik deutscher Zigeuner in jener Zeit Ende der Siebzigerjahre, Anfang der Achtzigerjahre einen Höhepunkt an Popularität, die in der Folgezeit in dieser Form nicht mehr erreicht werden konnte." (19)
Um einen besseren Überblick zu wahren, soll nun im Weiteren die Entwicklung der Zigeuner-Musik in Westeuropa auf einzelne Länder (Bundesrepublik Deutschland/ Österreich/ Frankreich/ Belgien & den Niederlanden) und deren wichtigsten Solisten beschränkt werden.

2.3.1. Bundesrepublik Deutschland

Die in Deutschland spielenden Zigeunerensembles haben sich der Traditionspflege ihrer eigenen Musik verschrieben. Diese Tradition, bzw. das Repertoire, setzt sich aus zwei Hauptbereichen zusammen: 1. zigeunereigene Folklore (Csárdás, Romanzen, Liedgut) und 2. Swingjazz (in der musikalischen Tradition des Quintette du Hot Club De France). Das QdHCDF bildet für den Swingjazz eine Vorbildfunktion in mehrfacher Hinsicht: Repertoire, Interpretation und Instrumentation. Das Repertoire des QdHCDF setzt sich aus amerikanischen Swing-Standards der 20er bis 40er Jahre, Django-Reinhardt-Kompositionen (bzw. auch Kompositionen Django Reinhardts und Stéphane Grapellis), Swing-Valses aus der französischen Musette-Tradition, sowie Schlager- und Operettenmelodien zusammen. Erweitert wurde dieses Repertoire im Verlauf Jahre durch moderne Jazz-Standards, Latin-Standards, sowie natürlich auch Eigenkompositionen der einzelnen Zigeunermusiker. Die Interpretation beinhaltet bis heute, wie auch im Jazz üblich, den Vortrag des Themas gefolgt von Improvisationen der Solisten. Die instrumentale Trennung zwischen einer konsequent nur als Rhythmusgruppe eingesetzten Begleitung und den Solisten im Stile des QdHCDF ist vorwiegend so geblieben. Man kann heute jedoch eher von einer konsequent durchlaufenden Begleitung sprechen, in der die Musiker, ob nun Solist oder Rhythmusbesetzung, gleichberechtigt arbeiten, d.h. die Solisten wechseln auch in die Rhythmusgruppe und lösen einander ab. Die Instrumentation des QdHCDF (Geige, Solo-Gitarre, 2 Rhythmusgitarren und Kontrabaß), bzw. die Besetzungen der Rhythmusgruppe (Rhythmusgitarre und Kontrabaß), wird auch traditionsbewußt beibehalten (nicht immer in Quintett-Form, gemeint ist eine traditionelle Rhythmusgruppe mit Solisten).
Es folgt nun ein Überblick der Entwicklung der Zigeuner-Musik-Szene in Deutschland anhand der wichtigsten musikalischen Persönlichkeiten.

2.3.1.1. Schnuckenack Reinhardt (SchR)

Der am 17.02.1921 in Weinsheim/Pfalz geborene Hans ‘Schnuckenack’ Reinhardt ist eine der wichtigsten Persönlichkeiten für die Popularisierung der Musik der Sinti und Roma. Wie bereits erwähnt, hat er mit seinen Formationen diese Musik einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht, und somit erreicht, daß sich die Zigeunermusik von einer Tanz- und Unterhaltungsmusik zu einer konzertanten Musikform wandelte, was auch eine Veränderung im Berufsbild der Zigeunermusiker erzeugte: vom 'Straßenmusiker' zum organisierten Kulturbetrieb. Der Erfolg führte zusätzlich bei den Sinti und Roma zum Bewußtsein für die eigene Tradition, bzw. der eigenen musikkulturellen Identität. Weiterhin wurde SchR mit seinen Formationen zu einer Art Talentschmiede für jüngere Musiker. Viele Musikertalente, wie zum Beispiel Häns'che Weiss, sind unter Leitung SchRs in eine professionelle Karriere gestartet, um wiederum namhafte Repräsentanten ihrer Musik zu werden.
Nach seinem 'Comin-Out' 1967 veröffentlicht SchR 1969 sein erstes Album als Auftakt der LP-Reihe 'Musik Deutscher Zigeuner'. Sein damaliges Quintett bestand neben ihm aus Daweli Reinhardt (solo-g), Bobby Falta (solo-&rh-g), Spatzo Weiss (rh-g) und Hojok Merstein (b). Zur Aufnahme der zweiten LP stellte er sich zwei Formationen zusammen: zum einen sein Quintett, jedoch wird Bobby Falta durch Holzmanno Winterstein ersetzt, und zum anderen eine Quartett-Besetzung, bestehend aus dem ungarischen Cimbalum-Spieler Laslo Nayri, Puppa Dörr (g) und Lili Reinhardt (b), mit dem SchR ausschließlich folkloristische Titel aufnahm. Im Quintett gab es dann weitere Umbesetzungen: Daweli Reinhardt wurde von Häns'che Weiss abgelöst, der jedoch 1972 mit Winterstein und Merstein die Gruppe wieder verläßt, um sein eigenes Quintett zu gründen. SchR stellte daraufhin ein neues Quintett zusammen, das sich auf Drängen des neuen, bzw. alten, Solo-Gitarristen Bobby Falta musikalisch mehr am Jazz orientierte. Der Formation gehörten weiterhin Schmeling Lehmann (g), Ricardo Reinhardt (g) und Jani Lehmann (b) an. In den folgenden Jahren wurde das Quintett erneut umbesetzt und das folkloristische Material im Repertoire wieder in den Vordergrund gezogen. Seine Aufnahmen im Jahre 1981 sind mit seinen Söhnen Forello Reinhardt (solo-g) und Ricardo Reinhardt (rh-g), sowie Unge Schmidt (rh-g, p) und Arnold Weiss (b) eingespielt. Bis 1996 hat sich die SchR-Formation zu einem familiären Sextett gewandelt, bestehend aus Sanino (g), Forello (g) und Ricardo Reinhardt (g), sowie den Brüdern Helmut (p) und Arnold Weiss (b). Mit seinem neuesten Projekt TALAL (=begegnen) versucht SchR die Völkerwanderung der Zigeuner von Indien nach Europa musikalisch nachzuzeichnen.
In seiner Laufbahn füllte SchR mit seinen Formationen europaweit Konzertsäle, wurde zu vielen Fernsehauftritten eingeladen und veröffentlichte bis jetzt 24 Schallplatten. Von dem Bundesland Rheinland-Pfalz wurde ihm 1996 für seine Verdienste um die Musik der Sinti und Roma die Peter-Cornelius-Medaille verliehen.
„Spieltechnisch und interpretatorisch betrachtet, ist Schnuckenack Reinhardt der große Geigenvirtuose der Sinti-Musik. Korrespondierend zur Gewichtung seines Repertoires ist Schnuckenack Reinhardts Spielgestus als Geiger deutlich stärker geprägt von der vibrato-trunkenen, gefühlsbetonten, erdigen Spielweise des Folklore-Fiddlers ungarischer Stilistik, als vom linearen, schnörkellosen, eleganten Strich des Swingjazz-Geigers Grapelli. Selbstredend, daß er es gleichwohl versteht, das Swingjazz-Repertoire mit dem ihm gebührenden Duktus zu spielen." (20)

2.3.1.2. Häns'che Weiss (HW)

Als der 1951 in Berlin geborene Solo-Gitarrist Häns’che Weiss 1972 das Schnuckenack Reinhardt Quintett verließ, nutzte er die Gelegenheit mit seinen beiden Mitmusikern aus der Reinhardt-Formation Holzmano Winterstein und Hojok Merstein, sowie als Verstärkung dem 15 jährigen Geigentalent Titi Winterstein und dem 17 jährigen Ziroli Winterstein, sein eigenes Quintett in der QdHCDF Tradition zu gründen. Die Instrumentation und das gemischte Repertoire, das heißt Swing-Standards und Zigeunerfolklore, übernahm HW nach Vorbild seines Förderers Reinhardt. In dieser Formation wurden die ersten Aufnahmen in der Schallplatten-Reihe 'Musik deutscher Zigeuner' auf den Ausgaben 5 und 6 veröffentlicht und machten das Quintett zum Synonym für brilliante deutsche Sinti-Musik. 1974 erscheint das dritte Album 'Dja Maro Drom' (= Wir gehen unseren Weg). Eine Änderung der Besetzung (Holzmanno Winterstein verläßt die Gruppe 1976 und wird durch den Solo Gitarristen Lulu Reinhardt ersetzt) sollte dem bisherigen Erfolg keinen Abbruch tun. 1978 wurde der Formation für das vierte Album '5 Jahre Musik Deutscher Zigeuner' der Deutsche Schallplattenpreis verliehen. Zu diesen Aufnahmen wurden, zur Erwiterung des Klangbildes, zwei Gastmusiker eingeladen, der Pianist Silvano Lagrene und der Trompeter Oscar Klein. Zusätzlich ist auf diesem Album auch der erste politische Titel eines Sinti-Musikers, 'Lass Maro Tschatschepen' (Laßt uns unser Recht fordern), enthalten. Diesen hatte HW „unter dem Eindruck der Ende der Siebzigerjahre in Gang kommenden Bürgerrechtsbewegung geschrieben, in welcher die Sinti und Roma Wiedergutmachung für das erlittene NS-Unrecht, Beseitigung von nach wie vor bestehenden Diskriminierungen, Anerkennung als ethnische Minderheit einschließlich der Förderung ihrer kulturellen Identität und sozialen Verbesserungen von der deutschen Regierung einforderten." (21) Auf diesem Höhepunkt seiner Karriere löste HW das Quintett überraschend auf, um musikalisch neue Wege zu beschreiten.
Beeinflußt von modernen Jazzgitarristen, wie Jim Hall oder Kenny Burell, stellt HW 1981 sein neues Ensemble zusammen. Es besteht aus seinen Neffen Martin Weiss (v) und Romani Weiss (rh-g), den vier Jazzmusikern Hans Hartmann (b), Dieter Goal (mh), Albert Mair (p) und Trilok Gurtu (perc), sowie Walter Buri (acc). Mit dieser Formation veröffentlicht er die Platte 'Couleurs', die die stilistische Bandbreite des traditionellen Repertoires um Samba- und Bossa-Nova-, sowie modern Jazz-Standards erweitert. Dieses Album stellt eine Art Übergang in HWs musikalischer Arbeit hin zur 'angejazzten' Gitarre dar. Von 1984 bis 1994 spielt er nunmehr in einem Trio mit Martin Weiss (v) und Vali Mayer (b), mit denen er drei CDs, 'Zugaben' (1985), 'Erinnerungen' (1988) und 'Vis-a-Vis' (1991), veröffentlicht. Obwohl es sich in der Besetzung um eine weitere reine Saiten-Formation, wie beim QdHCDF, handelt, versucht HW Django Reinhardts Swing-Linien mit bebopmäßigen Singlenote- oder Akkordfolgen zu verbinden. Das Repertoire entwickelt sich weg von der Folklore hin zu Real-Book-Standards, Eigenkompositionen, aber auch traditionsreichen Swing- und Musette-Titeln. Die Entwicklung zum Jazzgitarristen hält bis heute an. HW stellt sein Können nun in einem Duo mit Vali Mayer (b) unter Beweis und zeigt, wie er sich mühelos in dieser Richtung entfalten kann.


2.3.1.3. Titi Winterstein (TW)

Titi Winterstein, 1956 in Freiburg geboren, nutzte die Gunst der Stunde und übernahm 1978 die Restmusiker des aufgelösten Häns'che Weiss Quintetts (Lulu Reinhardt (g), Ziroli Winterstein (g) und Hojok Merstein (b)) und gründete mit Ergänzung von Silvano Lagrene (p) das Titi Winterstein Quintett, das musikalisch den Repertoirevorgaben HWs und SchRs folgen sollte. Das instrumentarische Spektrum zeigte eine klanglische Änderung, da ein Pianist oder zeitweise der Akkordeonist Klaus Bruder die zweite Rhythmusgitarre ersetzte. Das Quintett veröffentlichte bislang sechs Platten, die stets mit Gastmusikern, wie dem Mundharmonika-Spieler Lee Reed, der Sängerin Bimbam Merstein oder dem Musette-Akkordeonisten Enzo Biordi angereichert wurden. So entstanden die ersten zwei Alben ‘Saitenstraßen’ (1978) und ‘I Raisa’ (1980). 1982 folgte eine Umbesetzung: Silvano Lagrene wurde durch Klaus Bruder ersetzt, am Baß kam Peter Gropp (beide Nicht-Zigeuner) hinzu. Als dritter Gitarrist ergänzte Geisela Reinhardt die Formation. Mit diesem nunmehr Sextett erschien 1985 das Album ‘Djinee tu kowa ziro’, das sehr stark mit Eigenkompositionen angereichert ist. Die folgenden Aufnahmen sind Live-Mitschnitte gemeinsamer Auftritte mit dem Gesangsduo Vanessa Merstein und Sorba Kwiatkowski (‘TWQuintett mit Vanessa und Sorba’, 1987). Nach dieser Platte verlassen Klaus Bruder, Geisela Reinhardt und Peter Gropp wieder die Formation. Mit neuer Besetzung (Lulu Reinhardt (solo-g), Holzmanno Winterstein (solo-g), Silvano Lagrene (p) und Banscheli Lehman (b)) nimmt TW 1994 das Album ‘Maro Djipen’ auf, dass zwar die traditionelle Bandbreite des Zigeuner-Repertoires aufzeigt, jedoch auch viele neue Eigenkompositionen einbezieht. Den Abschluß bildet bis heute eine ‘The Best of TW’-CD, die die Spannbreite des TW-Quintetts wiederspiegelt. Das Quintett hält mittlerweile eine führende Position neben SchR und HW in der deutschen Zigeunermusik-Szene.

2.3.1.4. Schmitto Kling (SK)

Eine weitere Formation der deutschen Ziegeuner-Jazz-Szene stellt das von dem 1946 in Bad Mergentheim geborenen Geiger Schmitto Kling 1975 gegründete Ensemble ‘Hot Club The Zigan’ dar, das durch seinen Namen schon eine starke Verbundenheit zu dem traditionellen Zigeuner-Repertoire aufweist. Die Instrumentierung bestand aus drei Gitarren, Kontrabaß und zusätzlich als Rhythmusgruppenerweiterung einem Schlagzeug. Nach dem Erscheinen der ersten Platte des Hot Club The Zigan mit dem Titel ‘Musik deutscher Zigeuner’ wurde das Sextett auf ein Quintett in der traditionellen Besetzung des QdHCDF reduziert. Bis zu der Auflösung der Formation 1993 bestand sie jahrelang aus Meggi Patay (solo-g), Guggeli Wagner, Vateli Schneck (rh-g) und Rigo Reinhardt (b), wobei zuletzt Banscheli Lehmann Kontrabaß spielte und Holzmanno Winterstein (g) Vateli Schneck ersetzte. Nach dem Ende der Gruppe wechselten Holzmanno Winterstein und Banscheli Lehmann zum TW-Quintett. Guggeli Wagner, Rigo Reinhardt und Meggie Patay wurden zeitweise von Wedeli Köhler unter Vertrag genommen. Insgesamt wurden von dem Hot Club The Zigan fünf Alben eingespielt, auf denen die Musiker sich zusätzlich mit Bebop-Standards (z.B. ‘Yardbird Suite (C.Parker) oder ‘Round About Midnight’ (T.Monk)) auseinandersetzten. Eine interessante Erweiterung des Zigeuner-Repertoires stellten auch Swing-Adaptionen nach klassischen Vorlagen (‘Adagio’ von Tomasso Albinoni, ‘Paganini Improvisationen’) dar. „Schmitto Kling, der 1979 am Gipsy Jazz Violin Summit mitwirkte, ist ein technisch ausgezeichneter Instrumentalist und inspirierter Interpret, und zwar in der Swing- wie in der Folklore-Stilistik; ...“ (22)


2.3.1.5. Wedeli Köhler (WK)

Mit dem Gitarristen Schmeling Lehmann gründete der Geiger Wedeli Köhler (*11.04.1949 in München) 1977 den ‘Hot Club Da Sinti’ als Quartett im Stile des QdHCDF, ergänzt durch Danny Weiss (solo-g) und Jani Lehmann (b). Somit befand sich der Schwerpunkt des Repertoires wiederum im Zigeuner-Jazz. Nachdem 1979 der französische Zigeunergitarrist Tschavolo Schmitt die Position von Danny Weiss übernommen hatte, erschien 1981 die bislang einzige LP des Hot Club Da Sinti. 1985 löste sich die Formation auf. Unter seinem Namen formte WK (er spielte mittlerweile im Wechsel Geige und Gitarre) nun ein neues Quartett mit dem Pianisten Unge Schmitt (siehe SchR), um sich so dem Klang einer Jazz-Combo anzunähern und sich dem modernen Jazz zu widmen. 1986 erscheint das erste Album ‘Sinti Swing’ mit den französischen Musikern Dorado Schmitt (solo-g) und Gino Reinhardt (b). Abgesehen von Unge Schmitt wechselt die Besetzung über die Jahre ständig (z.B. wirkt Ziroli Winterstein zeitweise mit). Eine feste Formation läßt sich erst seit 1994 mit dem Rhythmusgitarrisen Sascha Köhler und dem Kontrabassisten Peter Gropp erkennen, mit der 1995 das Album ‘My Melancholy Baby’ aufgenommen wurde. Das Repertoire ist wieder, neben Eigenkompositionen, fast ausschließlich swingorientiert.

2.3.1.6. La Romanderie (LR)

Ein interessantes Klangbild bot die 1973 in Dortmund gegründete Formation ‘La Romanderie’, die mit einer traditionell besetzten Rhythmusgruppe als Solo-Instrumente neben Gitarre und Geige eine Konzertharfe und ein Akkordeon einsetzte. Um einen moderneren Klang zu erzielen, wurden zu den akustischen Instrumenten auch elektrische Gitarren, sowie ein E-Baß herangezogen. Neben vielen Fernsehauftritten und verschiedenen Tourneen veröffentlichte die Gruppe zwei LPs: ‘Swing Mamam Bruderherz - Musik deutscher Zigeuner’ (1975) und ‘Gypsy Swing’ (1976). Das Repertoire setzte sich zum einen aus hauptsächlich traditioneller Swing-Musik und Folklore, und zum anderen aus Bebop-Nummern, Flamenco-Variationen und Latinstücken zusammen. Die Besetzung bestand aus Alfred Lora, zeitweise vertreten durch Reinhold ‘Kleiner’ Lora (v), Wilhelm ‘Nanu’ Krause (acc), Reinhold ‘Panzeli’ Frantz (Harfe), Hugo ‘Schablein’ Krause (solo-g), Joseph ‘Ballacku’ Krause und Wilmor ‘Gigi’ Freiwald (rh-g), sowie Anton ‘Florian’ Frantz (b). „Reinhold Lora spielte eine sehr typische romantische Zigeunergeige mit starkem Vibrato und üppiger Ornamentik. ... schluchzende Vibrati in den langsamen Stücken, Leidenschaft und Rasanz bei den 32tel-Notenketten in den schnellen Friss-Csardas-Nummern. Der Solo-Gitarrist Schablein Krause hatte neben Djangos Swingstil auch einige Lektionen Montgomery und Burell verinnerlicht. Akkordeonist Nanu Krause sah seine Vorbilder sowohl in den legendären Musette-Virtuosen als auch in dem Swingakkordeonisten Art van Damme. Während in vielen Sinti-Ensembles eine starke personelle Frequenz zu verzeichnen ist, zeichnete sich La Romanderie durch Beständigkeit aus. Die Auflösung der Gruppe stellte einen sehr bedauerlichen Verlust für die deutsche Sinti-Musik-Szene dar.“ (23)

2.3.1.7. Alfred Lora (AL)

Alfred Lora stellt einen der wenigen musiktheoretisch ausgebildeten Künstler in der deutschen Zigeunermusiker-Szene dar. Seine professionelle Kariere beginnt in dem Ende der Vierziger Jahre entstandenen Zigeuner-Musik-Ensemble ‘Roy Romanderie’, aus dem später die Zigeuner-Jazz-Formation La Romanderie hervorging. Neben dieser Formation gründete AL seine eigene Gruppe als ‘Alfred Lora New Swingtett’, das durchweg mit Jazzmusikern und der amerikanischen Sängerin Rachel Gould besetzt war und eine Mischung aus Bebop- und Swingnummern darbot. „Danach muß er wohl umgedacht haben, denn seine 1985 veröffentlichte (bisher einzige) LP ‘Straight Ahead’ bot nicht mehr als mäßig swingende Tanzmusik von professioneller Glätte und bis zur Trivialität reichende Gebrauchsmusik. Bei der Instrumentierung seines Swingtetts vermeidet er bewußt die verbreitete Hot-Club-Besetzung, sondern orientiert sich am Arsenal einer Jazzcombo, indem er einen Pianisten (oder Vibraphonisten) und einen Schlagzeuger hinzuzieht“; (Hauptbesetzung: Joe Bawelino (solo-g), Weukeli Rosenberg (rh-g), Dezso Racz (b), Harold Smith (dr)). „Beim Repertoire setzt Lora, der neben Stéphane Grapelli auch Helmut Zacharias zu seinen Vorbildern zählt, auf den Unterhaltungswert und dabei auf das Motto ‘Von jedem etwas - für jeden etwas’, will heißen: Vom Swing bis zum Pußta-Traum, von Django bis Latin, vom Bebop bis zur Operettenseligkeit.“ (24)


2.3.1.8. Martin Weiss (MW)

Nach dem Ausstieg bei Häns’che Weiss gründete der Geiger Martin Weiss 1994 mit Romani Weiss, Tschabo Franzen (solo-g, bzw. rh-g) und Andre Loos (b) das ‘Martin Weiss Ensemble’. Bisher erschienen zwei CDs (‘Miro Drom’ und ‘for all my friends’ mit Anicka Fecová (Gesang - als Gastmusikerin)), auf denen das traditionelle stilistische Repertoire zu hören ist (Reinhardt/Grapelli-, Latin- und Swingstandards, Swing-Valses, Folkore). Zusätzlich arbeitete MW als Gastsolist mit dem am Modern Jazz orientierten Gitarristen Jörg Seidel bei dem ‘Organ Jazz-Trio’ (Matthias Bätzel (Hammondorgel) und Alexander Bätzel (dr)). Auf der 1996 mit dem Trio erschienenen CD ‘Hommage’ zeigt MW „eine sehr interessante, hochmusikalische Einspielung,“ sowie „die sieben Django-Titel (Vette; Lentement; Mademoiselle; Artillerie lourde; Nuits de St.Germain; Troublant Bolero; Double Scotch; Nuages) und vier Eigenkompositionen in der Sprache des bereits Bebop infiltrierten modernen Mainstream-Jazz interpretiert - mit einem Zungenschlag des Sinti-Swing.“ (25)

2.3.1.9. Mike Reinhardt (MR)

Durch große Unterbrechungen in seiner Arbeit konnte Mike Reinhardt mit seinem 1973 gegründeten Sextett nie einen großen Bekanntheitsgrad erreichen. Das ‘Mike Reinhardt Sextett’ stellt mit der Besetzung eine typische Zigeuner-Jazz-Formation dar. Mit den zwei Solo-Gitarristen MR und dessen Vater Daweli Reinhardt (siehe SchR) und dem Geiger Wedeli Köhler, später ersetzt durch den Klarinettisten Dietrich Geldern, der Rhythmusgruppe, bestehend aus zwei Rhythmusgitarren (beide namens Sacha Reinhardt), sowie am E-Baß Bawo Reinhardt handelt es sich eindeutig um eine typische Formation in der Tradition des QdHCDF. Interessant ist das 1987 erschienene zweite Album mit dem britischen Rhythm’n’Blues Saxophonisten Dick Hecktstall Smith, auf dem eine Begegnung zweier Stilistiken versucht wurde, was jedoch nicht reibungslos gelang. Seit dieser Zeit ist das Sextett nicht mehr auf der Szene vertreten.

2.3.1.10. Bundesrepublik Deutschland Zusammenfassung

Die Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland kann man als sehr traditionsbewußt bezeichnen. Es ist anzunehmen, daß sich, aufgrund des gestörten Verhältnisses zur übrigen Landesbevölkerung, die Zigeunermusiker nach dem zweiten Weltkrieg ihrer Traditionen, d.h. einer Art Kulturpflege, annahmen, um so ihr kulturelles Erbe zu bewahren, bzw. aufrecht zu erhalten. So wurde die Musik Django Reinhardts, die für sie ebenso wie die Roma-Folklore und das überlieferten Liedgut eine musikalische Wurzel darstellt, auch vor Einflüssen des zeitgenössischen Jazz bewahrt. Erst mit dem Auftreten Schnuckenack Reinhardts und seiner Ensembles Ende der sechziger Jahre konnte ihre Musik wieder einer breiten Bevölkerung zugänglich gemacht werden. Durch die Schallplatten-Reihe ‘Musik deutscher Zigeuner’ zeigte sich ein Profil der zeitgenössischen Zigeuner-Musik, das jedoch den traditionellen Strömungen entsprach. Trotz Versuche verschiedener Musiker, wie Häns’che Weiss, sich dem Jazz anzunähern, blieb das Klangbild (Instrumentation) und die Art der Interpretationen bis heute an den Strukturen des QdHCDF angelehnt. Somit kann man nicht von einer Weiterentwicklung, sondern eher von einer sehr traditionsbewußten Fortführung ihrer Musik sprechen, angereichert durch stiltreue Eigenkompositionen und moderne Jazz-Standards traditionell interpretiert.

2.3.2. Frankreich

Im Gegensatz Deutschland, wo die Geige im Zigeuner-Jazz eine große Tradition aufweist, gibt es in Frankreich keine einzige Formation mit einem namhaften Geigensolisten. Die Zigeunermusiker Frankreichs sind dagegen eher gitarrenfixiert und somit der Tradition Django Reinhardts, sowie modernerer Jazzstilistiken verbunden. Typische Merkmale des Repertoires deutscher Zigeuner, insbesondere die osteoropäische Folklore, sind in Frankreich nicht zu entdecken.

2.3.2.1. Babik Reinhardt (BR)

Der Erwartungsdruck, dem Babik Reinhardt (*08.06.1944 in Paris als Sohn Djangos Reinhardts) ausgesetzt war, führte dazu, daß er in den ersten zwanzig Jahren seiner Karriere wiederholt seine musikalische Laufbahn unterbrach. Zu Beginn, in den Jahren 1970 und 1974/75, spielte er noch die Musik seines Vaters, jedoch orientiert an der Bebop beeinflußten Schaffensperiode nach 1947. Sein vornehmliches Interesse gilt jedoch Modern-Jazz-Gitarristen wie Jim Hall, Jimmy Raney, Tal Farlow und Wes Montgomery. 1975 entsteht eine LP unter dem Titel ‘Sur Le Chemin De Mon Père’ als Hommage an Django Reinhardt, die vom Publikum mit großer Anerkennung aufgenommen wird. Daraufhin erhält er nun von einer großen Plattenfirma die Möglichkeit, seine musikalischen Vorstellungen zu verwirklichen. Mit dem Album ‘Sinti Houn Brasil’ bewegt er sich musikalisch in einer Mischung zwischen zeitgenössischem Jazz und populärer brasilianischer Musik. Trotz der guten Resonanz auf diese Veröffentlichung unterbricht BR wieder seine Laufbahn bis er, angeregt von Christian Escoudé zusammen mit Boulou Ferré, 1985 das akustische ‘Trio Gitan’ gründet, das für alle drei einen Höhepunkt ihrer Karriere darstellt. Es entstand jedoch nur eine Langspielplatte (‘Three of a Kind’, 1985), die durch ein musikalisches und spieltechnisches Feuerwerk, bestimmt durch sehr hohe Virtuosität, charakterisiert ist. Nach erfolgreichen Auftritten in der ganzen Welt trennten sie sich wieder. Im Anschluß daran gründet BR ein eigenes Quintett, um seinen musikalischen Vorstellungen wieder nachzukommen. Auf den zwei aufgenommenen Alben (‘All Love’, 1987, ‘Live’, 1989) zeigt er sich als Fusion-Gitarrist in der Färbung eines Larry Carlton, Lee Ritenour oder Pat Metheney. Musikalisch steht nun, im Gegensatz zu dem hoch virtuosen Trio Gitan, musikalische und rhythmische Eingängigkeit im Vordergrund. „Auch ‘Nuances’ (1992) und ‘Vibration’ (1994) weisen diese Attribute auf, mit denen Babik Reinhardt heute stilistisch identifiziert wird: Melodiereiche, schöne, geschmeidige, leichtfüßige Musik mit einem ‘Parfum manouche’, die sich wie Balsam um die gebeutelte Alltagsseele legt, ab und an freilich auch in riskante Nähe zur wohligen Berieselung begibt. Geschmackvoll gedrechselte eigene Themen, darunter jeweils ein sanftschwingender, braziljazziger Gesangstitel, der die Copacabana ins Wohnzimmer zaubert, auf ‘Vibration’ auch gefällige Fusion-Versionen der Modern-Jazz-Standards ‘Round Midnight’ (T.Monk) und ‘Night in Tunesia’ (D. Gillespie).“ (26)

2.3.2.2. Christian Escoudé (CE)

Als Ausnahmegitarrist präsentiert sich der am 23.09.1947 in Angoulême geborene Christian Escoudé. Nicht an der Swing-Stilistik Django Reinhardts, sondern am zeitgenössischem Jazz orientiert, zeigt er sich in der französischen Musik-Szene und bildet einen Gegensatz zu den traditionellen Zigeunermusikern. Sein Handwerk lernte er seit seinem zehnten Lebensjahr von seinem Vater und seinem Onkel Auguste ‘Gousti’ Malha, dem berühmten Gitarristen der Bals Musettes. Seit dem Beginn seiner Karriere 1971 spielte CE mit verschiedenen Berühmtheiten der französischen und auch der amerikanischen Jazz-Szene (Eddy Louiss, Pierre Michelot, Didier Levallet, Bernard Lubat, Jean-Charles Capon, René Urtrèger, Martial Solal, John Lewis, Freddie Hubbard, Stan Getz, Lee Konitz, John McLaughlin, etc.). Der erste Bezug zu den Kompositionen Django Reinhardts läßt sich 1978 feststellen, als er mit dem Bassisten Charlie Haden das Duo-Album ‘Gitane’ einspielt, auf dem Django Reinhardts Stücke in zeitgenössischen Interpretationen mit freien Duo-Improvisationsstrecken dargeboten werden. Nach weiteren Veröffentlichungen und der Arbeit mit dem Trio Gitan (siehe Babik Reinhardt) befaßte sich CE mit den Alben ‘Gipsy Waltz’ (1989) und ‘Christian Escoudé With Strings Plays Django Reinhardt’ (1991) erneut mit seinen Wurzeln: „dem Swing-Valse der 30er und 40er Jahre, in dem sich Musette-Walzer und Swing-Jazz umranken einerseits, mit Djangos bekannten und weniger geläufigen Kompositionen andererseits. In eigenwilliger Oktettbesetzung transponiert er Musette-Nummern wie Gus Viseurs Evergreens ‘Swing Valse’ oder ‘Flambée Montalbanaise’ oder Gousti Malhas ‘Carmette’ in vom Geist des Bebop durchdrungene moderne Jazzversionen, die den alten, per se zeitlos-attraktiven Themen ein kunstvolles zeitgenössisches ‘Outfit’ verleihen, ohne ihre ursprüngliche Tanzsaal-Destination zu verleugnen. Vom Geist des Bebop durchdrungen ist auch Christian Escoudés Django-Hommage, bei der ein selten so glücklicher Einsatz von Streicher-Begleitung - wohldosiert, ohne jegliche Zuckerwatte - hervorzuheben ist.“ (27)

2.3.2.3. Boulou Ferré (BF)

Der Sohn des Musette-Gitarristen Jean ‘Matelot’ Ferret (1918-1989) wurde unter dem Namen Jean-Jaques ‘Boulou’ Ferré am 24.04.1951 in Paris geboren und entwickelte früh sein Talent als Gitarrist. Mit sieben Jahren soll er sich schon mit Chorussen Charlie Parkers und Dizzy Gillespies auseinandergesetzt haben. Seine ersten Aufnahmen entstehen drei Jahre später mit dem Sänger Jean Ferrat. Ab 1963 folgt ein Studium der klassischen Musik am Nationalkonservatorium in Paris, während dessen er sich weiterhin mit dem zeitgenössischen Jazz auseinandersetzt, insbesondere mit den Strömungen des Free-Jazz. So entsteht 1970 das Album ‘Escape’ mit dem Vibraphonisten Gunter Hampel, sowie dem Saxophonisten Steve Potts und BF selbst, jedoch als E-Gitarrist. Trotz dieser Ausflüge hält er an seinen Traditionen fest und spielt immer wieder in Zigeuner-Jazz Kreisen (z.B. Studioaufnahmen mit dem Ensemble seines Vaters oder Live-Auftritte auf dem Samois-Sur-Seine-Festival), aber insbesondere im Akustik-Gitarren-Duo mit seinem Bruder Elios Ferré (*1956). Auf den zwischen 1979 und 1986 erschienenen fünf Alben zeigen die beiden Musiker eine Spannweite des Repertoires vom traditionellen Zigeuner-Jazz und Swing-Valse über folkloristische Themen (Jazz orientiert interpretiert) bis hin zu modernen Jazz-Standards. Eine andere Betätigung fand BF 1986 in dem bereits erwähnten Trio Gitan (siehe BR). In den letzten Jahren jedoch ist er nicht mehr so stark in der Szene hervorgetreten.



2.3.2.4. Raphael Fays (RF)

Wie Boulou Ferré wird der am 10.12.1959 in Paris geborene Raphael Fays anfangs von seinem Vater (Django Reinhardt orientiert) unterrichtet. Durch Marcel Dadi entdeckt, gibt RF mit sechzehn Jahren sein Schallplatten-Debüt im Duo mit seinem Vater, bei dem sie hauptsächlich traditionell im Stile Djangos spielten. Dieser Art der Musik bleibt er auch in den nächsten Jahre treu, bis das 1979 erschienene Album ‘Gipsy New Horizon’ neue Strukturen erkennen läßt: vom Swing über Modern Jazz bis Rock-Jazz. „Mit bestechenden spieltechnischen, interpretatorischen und kompositorischen Fähigkeiten betritt er die großen Konzertbühnen in Paris, London, Montreux und veröffentlicht attraktive, überzeugende Swing-Alben, die mit dem einen oder anderen Brasil- oder Latin-Titel wiederum über den Tellerrand des ‘Swing manouche’ hinausäugen.“ (28) Mitte der 80er Jahre entdeckt RF den Flamenco der Gitanos. Zusammen mit dem Jazzgeiger Pierre Blanchard gründet er ein neues Ensemble, das eine Verbindung zwischen dem Swingstil der mitteleuropäischen Manouches und dem Flamenco der spanischen Gitanos versucht und zu einer ‘Flamenco-Jazz-Fusion manouche/gitane’ führt, die auf den Einspielungen ‘Voyages’ (1989) und ‘Gipsy Touch’ (1991) vorgeführt wird.


2.3.2.5. Bireli Lagrene (BL)

Den Beginn seiner Karriere markierte Bireli Lagrene (*04.09.1966 in Saverne) als dreizehnjähriger Gitarrist in der Django Reinhardt Stilistik mit dem Album ‘Routes to Django’ (1980). Es folgte ein Ausbruch aus diesen Strukturen, als sich BL der E-Gitarre widmete und 1986 mit dem Weather Report-Bassisten Jaco Pastorius verschiedene Konzerte spielte, auf denen er sich dem Rock und dem Rock-Jazz zuwandte und komplett aus den Traditionen ausbrach. Das ist auch in dieser Besetzung auf den Alben ‘Inferno’ (1987) und ‘Foreign Affairs’ (1988) zu hören. Erst 1993 beschäftigte er sich wieder zusammen mit dem Akkordeonisten Richard Galliano, der für seine ‘Musette-Nouveau’ (Musette in Verarbeitung mit zeitgenössischem Jazz) bekannt ist, mit den alten traditionellen Strukturen, die jedoch zeitgenössisch verarbeitet wurden. Sie veröffentlichen als Ergebnis ‘Viaggio’ (1993) und ‘New York Tango’ (1996). Die Django Reinhardt Tradition nimmt BL erst mit 30 Jahren wieder auf, in dem er 1996 auf dem Album ‘My Favorite Django’ verschiedene Django Reinhardt Kompositionen zu Fusion-Jazz-Arrangements umarbeitet und sie den musikalischen Strukturen der heutigen Zeit entsprechend interpretiert und aufführt. Insgesamt hat sich BL jedoch von den Strukturen der Django-Reinhardt-Stilistik gelöst und ist heute eher als moderner Jazzgitarrist anzusehen. Trotzdem zeigt er 1998 im Trio mit Angelo Debarre und Jimmy Rosenberg wieder, daß er auch in der traditionellen Spielart weiterhin überzeugen kann.


2.3.2.6. Frankreich Zusammenfassung

Im Gegensatz zu Deutschland kann man bei den französischen Zigeuner-Musikern eher von einem Bewußtsein ihrer Kultur reden. Auch wenn Aufnahmen belegen, daß in der Django-Reinhardt-Tradition gespielt wird, so ist jedoch insgesamt eine Weiterentwicklung parallel zum Jazz erkennbar. Der Umgang mit den Traditionen ist durch eine Verarbeitung von zeitgenössischen Jazz-Strömungen gekennzeichnet. Man spielt das Django-Reinhardt-Repertoire und seine Kompositionen in einem modernen Kontext, was man z.B. bei den Aufnahmen Christiam Escoudés (‘Gipsy Walz’, ‘Christian Escoudé With Strings Plays Django Reinhardt’) oder Bireli Lagrenes (‘My Favorite Django’) hören kann. Somit kann hier nicht mehr von einem Zigeuner-Jazz in der traditionellen Stilistik gesprochen werden, sondern von Jazz der von Zigeunermusikern gespielt wird und sich aus den Strukturen des QdHCDF in Verbindung mit der Jazz-Entwicklung herausgebildet hat.

2.3.3. Österreich/Niederlande/Belgien
2.3.3.1. Karl Ratzer (KR)

„Der in diesem Kontext renommierteste Musiker der Alpenrepublik ist der Gitarrist Karl Ratzer, 1950 in Wien geboren. Seine Attribute lassen sich mit ausgefeilter Spieltechnik, vitalem Interpretations- und Improvisationsgeist und augenfälliger stilistischer Wendigkeit auf den Punkt bringen. Beachtliche Qualitäten hat er daneben als Komponist und Arrangeur vorzuweisen, ...“ (29) KR macht vornehmlich durch seine Vielfältigkeit und stilistische Treffsicherheit auf sich aufmerksam und beweist dies auch auf seinen Einspielungen. So sind auf der 1992 mit Fritz Pauer (p), Paulo Cardoso (b) und Mario Gonzi (dr) entstandenen CD ‘Gumbo Drive’ verschiedenste Stilistiken, wie Modern Mainstream, Funk-Jazz, Rock-Jazz, Gospel oder Blues, anzutreffen. Die Karriere KRs begann als Rockmusiker, was ihn Anfang der 70er Jahre in die USA führte, wo er als Gitarrist in Soul-Formationen arbeitete und vor allem im Bereich des Rock-Jazz mit Jeremy Steig oder Steve Gadd spielte. Auch im Modern-Jazz-Bereich entstand eine Zusammenarbeit mit bekannten Musikern der amerikanischen Jazz-Szene (Bob Mintzer, Tom Harrell, Bob Berg, Joe Chambers, Ray Mentilla, Paul McCandles). In dieser Zeit veröffentlichte er auf dem Village-Vanguard-Label zwei LPs. Er kehrt jedoch wieder zurück nach Europa und veröffentlicht 1979 das Album ‘Dancing On A String’, auf dem er seine Versiertheit auf der Gitarre vorführt. In der europäischen Szene der Jazzgitarristen erscheint KR erst wieder 1980 durch eine Europa-Tournee mit dem Chet Baker Quintett, auf der er einem breiten Publikum seine Fähigkeiten zeigt. In den nächsten Jahren verlegt er sich hauptsächlich auf Fusion- und Funk-Jazz bis er 1994 mit dem Album ‘Waltz For Ann’ mit dem Gast-Solisten Art Farmer durch West-Coast-Balladen und hardbop Up-Time Stücke wieder seine Fähigkeiten als Modern-Jazz-Gitarrist unter Beweis stellt. Im Verbindung mit Zigeuner-Jazz ist er jedoch nur auf der Produktion ‘For You’ (1986) des Geigers Zipflo Weinrich zu hören. Man kann KR als „exzelenten Vertreter der bebopgeprägten Mainstream-Gitarre mit wohlabgestimmtem Single-Note- und Akkordspiel“ charakteresieren. „Melodisch wirkungsvolle Themen und rhythmische Präsenz sind seine Arbeitsmaximen als Interpret und als Komponist.“ (30)

2.3.3.2. Zipflo Weinrich (ZW)

Der jüngste Vertreter der österreichischen Zigeuner-Szene dürfte der am 16.06.1964 geborene Geiger Alois ‘Zipflo’ Weinrich sein, der in der Tradition des QdHCDF aufwuchs, aber auch Ambitionen in Richtung Modern Jazz hegt. 1981 erfolgte sein Debüt an der Seite seines Vaters Joschi Weinrich und weiterer Verwandschaft in Wien. Er widmete sich nun einer eigenen Formation, die sich am QdHCDF orientierte. Hier spileten sein Vater Joschi und im stetigen Wechsel Salmo Köhler, Striglo Stöger, Claude Manach, Karl Ratzer oder sein jüngerer Bruder Raglo Weinrich die Gitarren und sein Cousin Joschka Schneeberger Kontrabaß. Zusätzlich spielt ZW immer wieder in kleinen Jazz-Trio-Besetzungen mit Gitarre und Baß oder Schlagzeug und Keyboard. Mit den bisher fünf Veröffentlichungen zeigt sich der Geiger sehr Zigeuner-Jazz verbunden, läßt jedoch Ausflüge in Richtung Modern Jazz nicht aus. Seine Bekanntheit beschränkt sich wohl hauptsächlich auf die österreichische Jazz-Szene, da er nur selten im Ausland gastiert.

2.3.3.3. Stochelo Rosenberg (SR)

Der zur Zeit bekannteste Gitarrist in der Django-Reinhardt-Tradition dürfte wohl der am 19.02.1968 in Helmond/Niederlande geborene Stochelo Rosenberg sein. Bereits mit zwölf Jahren überzeugte er mit seinem Talent bei verschiedenen Auftritten. Erst 1989 erschien die erste CD des Rosenberg Trios (‘Seresta’), mit SR als virtuosem Solisten und Nous’che Rosenberg (rh-g), Nonnie Rosenberg (b) als Rhythmusgruppe, die ganz in der Tradition von Django Reinhardt und des QdHCDF steht. Auf drei weiteren Veröffentlichungen (‘Gipsy Summer’, 1991, ‘Impressions’, 1992, ‘Live at the North Sea Jazz Festival’, 1993) und ausgedehnten Tourneen zeigte das Trio seine großen Fähigkeiten. „Ihre Musik swingt ungemein intensiv, fließt mit einer ihrer Kunstfertigkeit fast wiedersprechenden Leichtigkeit.“ (31) Nach einem Auftritt mit Stéphane Grapelli in der New Yorker Carnegie Hall zu dessen Geburtstagskonzert erhielt das Trio einen Plattenvertrag bei dem Jazzlabel Verve, auf dem 1994 das Album ‘Caravan’ erschien. Neben reinen Trio-Stücken wird das musikalische Spektrum durch Gastmusiker, insbesondere Stéphane Grapelli, erweitert. Auf dieser Einspielung sind auch der Rock-Jazz-Gitarrist Jan Akkermann und der Jazz-Vibraphonist Fritz Landesbergen zu hören, die sich sehr gut in den Swing-Kontext integrieren. SR beweist hier wiederum seine virtuosen und musikalischen Fähigkeiten im Bereich des traditionellen Zigeuner-Jazz. Im weiteren Verlauf seiner Karriere zeigt das Rosenberg-Trio bei zwar wenigen Trio-Aufnahmen ein großes Können im Bereich des Zigeuner-Jazz, verlegt sich jedoch mehr auf eine eher popularmusikalische Spielweise. Auf dem Album ‘Gypsy Swing’ (1996) spielt in mehreren Stücken SR als Solist mit kleinen Orchestern z.B. Filmmusik-Themen wie ‘Theme From Mahogany’ oder ‘Rosemary’s Baby’. Durch diese Instrumentation und die Art der Interpretation erhält die Musik eher den Charakter einer leicht klingenden Pop-Musik und entfernt sich komplett von den stilistischen Strukturen des Zigeuner-Jazz.

2.3.3.4. Fapy Lafertin

Auch ein sehr traditionell orientierter, aber eher unbekannter, Gitarrist ist der 1950 in Courtraire/Belgien geborene Fapy Lafertin. Ausgestattet mit einer sehr guten Spieltechnik und einer hohen Musikalität begann er Ende der 60er Jahre seine Karriere als Sologitarrist in dem Zigeuner-Orchester ‘de PIOTTO’s’, benannt nach dessen Leiter Piotto Limberger. Das Repertoire setzte sich aus Zigeunerfolklore und Swing im Stile des QdHCDF zusammen. 1975 wechselte er zu dem Quartett ‘WASO’, das bis 1985 sechs Alben im traditionellen QdHCDF-Stil veröffentlichte und zu einem führenden Ensemble der Zigeuner-Jazz-Szene avancierte. Seit 1985 unterhält er sein eigenes Quintett (‘Hot Club Quintett Lapy Lafertin’), das sowohl in der Instrumentation, als auch im Repertoire dem QdHCDF verbunden ist. Außerdem zeigt sich bei LF ein Interesse für die romantische Zigeunermusik des Balkans und auch für die Musik Südamerikas. Dies wird deutlich an der Besonderheit, daß er neben der akustischen und der elektroakustischen auch noch die 12-saitige portugiesische Fado-Gitarre (Stimmung: BB-AA-EE-BB-AA-DD) spielt. 1991 erscheint die erste CD ‘Fleur de Lavent’ des Quintetts, auf der LF die komplette traditionelle Bandbreite des Zigeuner-Jazz vorstellt und als Solist glänzt.

2.3.3.5. Österreich/Niederlande/Belgien Zusammenfassung

Anhand der eher wenigen wichtigen Zigeunermusiker aus diesen Ländern ist es nur schwer möglich, eine zusammenfassende Aussage über die dortigen Entwicklungen zu treffen. Es sei nur darauf hingewiesen, daß sich in Belgien und den Niederlanden eine große Gruppe von Manouche niedergelassen hat, die sich sehr traditionell an dem Stil Django Reinhardts orientiert. Stochelo Rosenberg, sowie auch Fapy Lafertin stammen aus Familien mit einer langen musikalischen Tradition, die über die Generationen weitergegeben und bewahrt wurde. So könnte man daraus schließen, daß auch hier eher die traditionellen Strömungen vorherrschen und am Erbe Django Reinhardts festgehalten wird.

2.4. Musikgeschichtlicher Überblick Zusammenfassung

Es ist durch die bisherigen Betrachtungen zu erkennen, daß sich der Begriff des Zigeunerjazz geschichtlich an eine Person binden läßt. Als Django Reinhardt 1934 das QdHCDF gründete, begann eine musikalische Entwicklung, die bis heute anhält. Django Reinhardt entwickelte im Lauf Jahre, auf der Basis seiner Erfahrungen in der Zigeunerfolklore und der Bals Musette, in Verbindung mit dem Jazz der 30er und 40er Jahre, eine eigene Stilistik, bzw. einen Personalstil, der vor allem aus ethnischen Gründen in den weiteren Generationen hauptsächlich von Zigeunermusikern übernommen wurde. Damit wurde eine neue musikalische Tradition in der Zigeuner-Musik geschaffen. Auch bedingt durch den zweiten Weltkrieg lassen sich mehrere Strömungen dieser neuen Stilistik erkennen. In Frankreich, einem Land, in dem nach Kriegsende die Aktivitäten der Zigeunermusiker weiter uneingeschränkt möglich waren, läßt sich eine Entwicklung parallel der, des zeitgenössischen Jazz, erkennen. Trotz des Aufwachsens in der Django-Reinhardt-Tradition findet sich deren Pflege hauptsächlich nur noch im Repertoire wieder, das jedoch interpretatorisch der heutigen Zeit angepaßt wird (z.B. Bireli Lagrene oder Christian Escoudé). Eine andere Entwicklung dieser Art ist sowohl in Frankreich, als auch in allen anderen Ländern erkennbar. Es wird versucht, innerhalb der durch das QdHCDF vorgegebenen Strukturen, eine Neuerung zu erzielen. Man nähert sich einerseits mit den Improvisations-Strukturen dem modernen Jazz an und hält andererseits an den traditionellen Strukturen der Rhythmusgruppe und der Instrumentierung fest (z.B. Martin Weiss). Die dritte Strömung bildet die, die eigentlich das Idiom Zigeuner-Jazz repräsentiert. Vor allem in Deutschland, aber auch in den Niederlanden und Belgien, halten die Zigeunermusiker an dem musikalischem Erbe Django Reinhardts fest. Dies zeigt sich zum einen an dem Beharren auf Instrumentations-Strukturen des QdHCDF, sowie auf dem Repertoire (auch neue Repertoire-Erweiterungen werden dem Swing-Idiom angepaßt) und auf der Interpretationweise und zum anderen an der Pflege und Beibehaltung des Personalstils Django Reinhardts. Die wichtigsten Repräsentanten dieser Strömung sind z.B. Schnuckenack Reinhardt, The Rosenberg Trio, Titi Winterstein. Man kann bei den Musikern dieser Richtung von einer neuen Schule sprechen, nämlich der von Michel-Claude Jalard bezeichneten ‘l’école tsigane du Jazz’ oder auch der Schule des Zigeuner-Jazz. Das heißt: Zigeuner-Jazz ist das traditionelle Bewahren des Erbes von Django Reinhardts und des QdHCDF. Die von ihnen vorgegebenen Strukturen, vornehmlich die Personal-Stilistik Django Reinhardts, bilden die Dogmen, bzw. Basis, für eine neue musikalische Stilistik, die man der allgemeinen Zigeuner-Musik zuordnen kann, und die, unabhängig von den weltweiten musikalischen Entwicklungen, hauptsächlich durch die ethnische Gruppe der Zigeuner, insbesondere in Deutschland, den Niederlanden und Belgien, traditionsbewußt weitergeführt und bewahrt wird.


2.5. Auswahl-Diskographie

Es ist leider nicht möglich, eine komplette Diskographie aller Musiker zu geben. Die hier angegebenen Ausgaben stellen nur eine Auswahl der wichtigsten Veröffentlichungen der im Vorangegangen erwähnten Musiker.


Django Reinhardt
Aufgrund der Masse von Veröffentlichungen Django Reinhardts kann hier nur auf einige der wichtigsten Zusammenstellungen aus seinen Aufnahmen hingewiesen werden. Eine komplette Übersicht aller Einspielungen Django Reinhardts findet sich in der Django Reinhardt-Biographie ‘Django. Mon Frère’ (Charles Delauney).
- Django Reinhardt, Stéphane Grapelli et le Quintette du Hot Club du France, ‘Rare Django 1928-1938’, DRA Records CDSW 8419
- Django Reinhardt, Vol 1, JSP 341
- Django Reinhardt-Stéphane Grapelli-Michel Warlop, Special Quintette à cordes du Hot Club de France, 1936-1939, EMI 2512 70-2
- Django Reinhardt, Decca 820 591-2
- Django Reinhardt, ATC Band et Duke Ellington Orchestra, Vogue 600197
- Django Reinhardt et le Quintette du Hot Club de France, ‘Nuages’, Vogue 670205
- Django Reinhardt-Stéphane Grapelli-André Ekyan, ‘Rome 1949-1950 Vol.1 et 2’, RCA PD 71 297 und 71 298
- Django Reinhardt, ‘Django’, Vogue 668003/1/2/3
- Django Reinhardt, ‘Swing in Paris, 1936-1940’, Afinity AFS 1003-5
- Django Reinhardt, ‘Djangologie’, EMI 7806602-92
- Django Reinhardt, ‘Pêche à la mouche’, Verve 835 418-2


Schnuckenack Reinhardt
- Schnuckenack Reinhardt Quintett, ‘Musik deutscher Zigeuner I-IV’, 1968/1969/1970/1971, Da Camera SM 950 15/20/25/35
- Ders., 15.03.1973, INT 28 556 (160031)
- Ders., ‘Live’, 1973, INT 28 582 (160035)
- Schnuckenack Reinhardt Sextett, ‘Starportrait Schnuckenack Reinhardt’, INT 155012
- Schnuckenack Reinhardt Quintett, ‘Swing Session, 1975, INT 160010
- Ders., ‘Swing On My Mind’, Philips 6623130
- Ders., ‘Jak Swing’, 1981, RCA PL 28415
- Ders., ‘Die Lerche’, 1983, Master/Teldec 6, 25425

Häns’che Weiss
- Häns’che Weiss Quintett, ‘Musik deutscher Zigeuner V/VI’, 1972/1973, Da Camera SM 95040/45
- Ders., ‘Dja Majo Drom’, 1974, Songbird/Schottverlag SB 32
- Ders. & Gäste, ‘Fünf Jahre Musik deutscher Zigeuner’, 1977, INT 160088
- Häns’che Weiss, ‘Couleurs’, 1981, Chapeau Claque 2081
- Häns’che Weiss Ensemble, ‘Zugaben’, 1985, Salko MMM 48532/1
- Ders., ‘Erinnerungen’, 1988, Elite Spezial Extra CDE 733503

Titi Winterstein
- Titi Winterstein Qintett, ‘Saitenstraßen’, 1988, INT 160117
- Ders., ‘I Raisa/Die Reise’, 1979, INT 160134
- Titi Winterstein Sextett, ‘Djinee Tu Kowa Ziro’, 1985, Boulevard 501
- Titi Winterstein Quintett, ‘Live mit Vanessa & Sorba’, 1987, Boulevard 508
- Ders., ‘Maro Djipen’, Boulevard 525
- Ders., ‘The Best Of’, Boulevard 528

Schmitto Kling
- Hot Club The Zigan, ‘Musik deutscher Zigeuner’, 1976, Bellaphon BLPS 19241
- Ders., ‘Alone Together’, 1980, EOM 12462
- Ders., ‘Adagio’, 1982, Aurophon 11067
- Ders. Auf: ‘Manouche/Les Musiques D’Aujourdhui Des Tsiganes D’Alsasace’, 1984, APPONA

Wedili Köhler
- Hot Club Da Sinti, ‘Wonderful’, 1981, Linkshändle
- Wedili Köhler, ‘Sinti Swing’, 1986, Koala-Tonstudio Karlsdorf

Mike Reinhardt
- Mike Reinhardt Sextett with Dick Heckstall-Smith, ‘Back in Town, 1987, Bellaphon 26007098


Alfred Lora
- The New Alfred Lora Swingtett, ‘Straight Ahead’, 1985, Altaxon AL 5001

Martin Weiss
- Martin Weiss Ensemble, ‘for all my friends’, Raumer Records

Zipflo Weinrich
- Zipflo Weinrich Quintett, ‘A Dadlo’, 1985, Groove-Rec. L 120 883
- Zipflo Weinrich Quartett mit Karl Ratzer, ‘For You’, 1986, RST ZW-922

Karl Ratzer
- Karl Ratzer, Gipsy Love, 1970, Heller Enterprises
- Ders., ‘In the search Of the Ghost, 1978, Vanguard
- Ders., ‘Street Talk’, 1979, Vanguard
- Ders., ‘Dancing on a String’, 1979, CMP 13
- Ders., ‘Finger Prints’, 1980, CMP 7
- Ders., ‘A Fool For Your Sake’, 1981, GIG
- Ders., ‘Electric Finger’, 1982, RST
- Ders., ‘Happy Floating’, 1985, RST 130305
- Ders., ‘Serenade’, 1986, RST 186111
mit Karl Ratzer:
- Jeremy Steig/Eddie Gomez Group, ‘Rain Forrest’, 1980, CMP 12
- Chat Baker, ‘Live in Paris’, 1980, Circle 25680-22/23/36; 27680/32

Stochelo Rosenberg
- Stochelo Rosenberg, ‘Seresta’, 1989, Hot Club Records HCRCD 59
- The Rosenberg Trio, ‘Gipsy Summer’, 1991
- The Rosenberg Trio, ‘Impressions’, 1992
- The Rosenberg Trio, ‘Live at the North Sea Jazz Festival’, 1993, Verve 519 446-2
- The Rosenberg Trio, ‘Caravan’, 1995, Verve 523 030-2
- The Rosenberg Trio, ‘Gypsy Swing’, 1996, Verve 527 806-2

Boulou Ferré
- Boulou and Elois Ferré, Pour Django’, Steeplechase SCS 1120
- Ders., ‘Gypsy Dreams’, Steeplechase SCS 1140
- Ders., ‘Trinity’, Steeplechase SCS 1171
- Boulou Ferré Quartett, ‘Relax and Enjoy’, Steeplechase SCS 1210


Bireli Lagrene
- Bireli Lagrene, ‘Routes to Django’, 1980, Antilles AN 1002
- Ders., ‘Bireli Swing 81’, Jazz Point 1009
- Ders., ‘Bireli Lagrene 15’, Antilles AN 1009
- Ders., ‘Down in Town, Antilles AN 1019
- Bireli Lagrene Ensemble, ‘Live’, Jazz Point 1015
- Bireli Lagrene, ‘Acoustic Moments’, 1990, Blue Note 795 2632
- Ders., ‘Standarts’, 1992, Blue Note 780 2512
- Ders., ‘My Favourite Django’, Dreyfus Jazz FDM 36574-2

Fapy Lafertin
- Lapy Lafertin, ‘Fleur de Lavende’, 1992, Hot Club Records HCRCD 67
- Ders., ‘Swing Guitars’, 1994, LJFL 01
- Ders., ‘Hungaria’, 1996, LJFL 02
- Lapy Lafertin Quartett, ‘Aurore’, RIFF 85026-2
- Waso, ‘Live in Laren’, Polydor 2925111
- Waso, ‘Gypsy Swing Vol.5’, Munich BM 150246

Babik Reinhardt
- Babik Reinhardt, 1967, Vogue EPL 8524 (45t)
- Ders., ‘joue Sidney Bechet’, 1968, Vogue CL VLX 213
- Ders., ‘Sur Le Chemin De Mon Père ... Django’, 1974, EMI MFP 2 M 026-13200
- Ders., ‘Sinti Oun Bresil, 1975, CBS
- Escoudé/Ferré/Reinhradt, ‘Three Of a Kind’, 1986, JMS 038
- Babik Reinhardt, ‘All Love’, 1988, RDC 400012/Melodie
- Ders., ‘Live’, 1989, RDC 400032/Melodie

Christian Escoudé
- Chritian Escoudé Quintett, ‘Reunion’, 1975, Musica MUS 3003
- Jean-Charles Capon & Christian Escoudé, ‘Les 4 Elements’, 1976, Musica MUS 3006
- Mike Zwerin Chamber Jazz Trio, ‘Not Much Noise’, 1978, Spotlite 19
- John Lewis Quartet, ‘Mirjana’, 1978, Ahead 33750
- Swing String System, Evidance 1003/Media 7
- Charlie Haden & Christian Escoudé, ‘Gitane’, 1978, All Life 001
- Charlie Haden & Christian Escoudé, ‘Gousti’, All Life 006
- Michael Graillier & Christian Escoudé, ‘Libra’, MUS 3017
- Martial Solal Big Band, 1981, Gaumont Musique 753804/WEA
- Christian Escoudé, Gipsy’s Morning, 1981, JMS 013
- Christian Escoudé Group feat. Toots Thielmans, 1982, JMS 022
- Catherine/Escoudé/Lockwood, 1983, JMS 031
- Christian Escoudé Oktett, ‘Gipsy Waltz’, 1989, Emarcy/IMS